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Deutsch - Türkische Wirtschaftstage in Kahramanmaras und Hatay

25.09.2012 - Artikel

Die Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft führt zur Standortwerbung für Deutschland und zur Intensivierung der Zusammenarbeit von deutschen und türkischen Unternehmen in aufstrebenden Regionen der Türkei „Deutsch-Türkische Wirtschaftstage“ durch. Im Juni 2007 rief die Botschaft diese Veranstaltungsreihe in Kayseri ins Leben und hat zuletzt am 25. September 2012 in Kahramanmaras ihren 10. und am 27. September 2012 in Hatay ihren 11. Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Türkischen Auslandshandelskammer Istanbul, der Entwicklungsagentur der Region Östliches Mittelmeer (DOGAKA), den Industrie- und Handelskammern Kahramanmaras und Antakya, NRW-Invest und der Firma Siemens veranstaltet. Der Zielsetzung der Wirtschaftstage entsprechend wurden die beiden Veranstaltungen wieder in Regionen durchgeführt, die in den letzten Jahren auf eine dynamische Wirtschaftsentwicklung zurückblicken konnten und hinsichtlich ihrer Infrastruktur ein großes und ausbaufähiges Entwicklungspotenzial besitzen. Die Botschaft möchte diese Regionen, die außerhalb der etablierten und bekannten Wirtschaftszentren des Landes liegen, im Rahmen ihrer Außenwirtschaftsförderung deutschen Firmen näher bringen und mit ihren Wirtschaftstagen neue Kooperationsmöglichkeiten schaffen.

Kahramanmaras liegt im Südosten der Türkei. Die Wirtschaft der Stadt ist traditionell von der Stahl- und Textilindustrie geprägt. Die Sektoren Stahlherstellung und -verarbeitung, Edelstahlverarbeitung, Braunkohlegewinnung im Tagebau, Garn- und Textilherstellung, Konfektionskleidungs- und Lebensmittelindustrie nehmen einen wichtigen Platz in Kahramanmaras ein. In der Region um den Golf von Iskenderun liegt das Zentrum der türkischen Stahlindustrie, in dem 50% des türkischen Stahls hergestellt, weiterverarbeitet und verschifft werden. Als Schwerpunkt hat sich dabei der Bereich des Edelstahls herausgebildet, insbesondere dessen Verarbeitung zu hochwertigem Edelstahlgeschirr.

Im Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung der Region steht weiterhin der Energiesektor mit dem geplanten Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten durch neue Wasserkraftwerke und den Bau von zwei neuen Kohlekraftwerken, die mit lokaler Braunkohle befeuert werden sollen. Die örtliche Bevölkerung legt bei den neuen Kohlekraftwerksbauten großes Interesse auf die Einhaltung von hohen Emmissionsstandards. Durch die Bewässerungsprojekte im Rahmen des Atatürk Staudamms (Teil des südostanatolischen Projekts GAP) hat neben der traditionellen Landwirtschaft vor allem der Anbau und die Verarbeitung von Baumwolle zu Garnen und Geweben, sowie deren Weiterverarbeitung in der Konfektionskleidungs- und Textilindustrie, große Bedeutung erlangt. Als Wachstumsbereiche gelten auch die Schuhindustrie und das Goldschmiedehandwerk.

An dem Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag in Kahramanmaras nahmen über 50 Firmenvertreter teil. Der Wirtschaftstag bot den deutschen Teilnehmern Gelegenheit, mit den bereits in der Region tätigen Firmen/Institutionen direkte Kontakte zu knüpfen. Weiterhin hatten die deutschen Teilnehmer die Möglichkeit, Informationsmaterialien an Infoständen auszulegen. Darüber hinaus nutzten die türkischen Wirtschaftsvertreter die Gelegenheit, sich bei der DAHK und bei NRW-Invest über Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten in Deutschland zu informieren. Die türkischen Unternehmer führten am Nachmittag Einzelgespräche mit den Vertretern der deutschen Firmen/Institutionen. Eine Gruppe der deutschen Firmenvertreter nahm am Folgetag in Kahramanmaras bei der Weiterreise nach Antakya zusammen mit Botschaftsvertretern an der Besichtigung zweier Fabriken (KIPAS Holding, Textil- und Garnproduktion sowie HASCEVHER, Produktion von Stahlgeschirr) teil.

Die Provinz Hatay mit ihren wirtschaftlichen Zentren Iskenderun und Antakya liegt am Golf von Iskenderun und bildet den südlichsten Punkt der Türkei. Die Hafenstadt Iskenderun war einst der Hauptumschlagsplatz für Aleppo und die Handelsströme nach Syrien und den Nahen und Mittleren Osten. Heute ist Iskenderun mit seinem Hafen das Handelszentrum für die lokale Industrie der Region. Es zählt ebenfalls zum Zentrum der türkischen Stahlindustrie. In den Provinzen Hatay, Osmaniye und Kahramanmaras werden ca. 50% des türkischen Stahls hergestellt. Bedeutend ist ebenfalls die Schuh- und Textilindustrie mit ihrer Auftragsfertigung für namhafte deutsche und europäische Konfektionsmarken.

Iskenderun ist ebenfalls Standort des von der STEAG erbauten Steinkohlekraftwerks, dessen Erweiterung um einen dritten Block geplant ist. Die Meeresnähe und die dort herrschenden starken Winde machen die Region weiterhin zu einem gefragten Standort für Windkraftwerke. Hier werden an den Hügellagen Windgeschwindigkeiten erzielt, wie sie in Deutschland nur im Offshore-Bereich vorkommen. Erwähnenswert ist auch die intensive Landwirtschaft, in der Getreide, Tabak und Obst angebaut und verarbeitet werden. In der Nähe von Iskenderun enden ferner zwei Pipelines, u. a. die BTC (Baku-Tiflis-Ceyhan) -Pipeline, die aus dem Irak Erdöl nach Ceyhan an die türkische Mittelmeerküste transportiert.

Etwa eine Fahrtstunde in südlicher Richtung von Iskenderun liegt die Stadt Antakya. Antakya verfügt über einen Flughafen mit mehrmals täglichen Verbindungen nach Istanbul und Ankara. Die wirtschaftlichen Schwerpunkte entsprechen weitgehend denen von Iskenderun, wobei aufgrund der Geschichte der Stadt dem Tourismus große Bedeutung zukommt. Antakya war bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien ein wichtiger Ausgangspunkt für LKW-Transporte durch Syrien auf die arabische Halbinsel und in den Nahen und Mittleren Osten. Diese sind mittlerweile vollständig zum Erliegen gekommen. Die Zweisprachigkeit der Bevölkerung wird als großer Vorteil für den Handel mit arabischen Ländern gewertet. Antakya ist seit 1995 Partnerstadt von Aalen und seit wenigen Monaten auch Partnerstadt von Kiel. Beide Städte hatten auf Einladung der Botschaft Delegationen zur Teilnahme am Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag entsandt.

An dem Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag in Antakya nahmen insgesamt 125 Firmenvertreter teil. Botschafter Pohl, die stellv. Geschäftsführerin der AHK, der Generalsekretär der DOGAKA, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Antakya, der Präsident der Handelsbörse Antakya, der Oberbürgermeister von Antakya und der Gouverneur der Provinz Hatay eröffneten mit Grußworten die Veranstaltung. Im Anschluss daran stellten die deutschen Teilnehmer in Präsentationen ihre Firmen und Kooperationsangebote vor.

Zum Wirtschaftstag in Antakya waren 20 Teilnehmer aus Deutschland angereist, die im Rahmen der bestehenden Städtepartnerschaften zwischen Antakya und den Städten Aalen und Kiel bereits geschäftliche und private Verbindungen angebahnt hatten bzw. neue herstellen wollten. Botschafter Pohl briefte vor der Eröffnung des Wirtschaftstags beide Delegationen während eines gemeinsamen Frühstücks über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in der Türkei. Angesichts der Berichterstattung der deutschen Medien über die Umstände an der syrischen Grenze wurde seinen Ausführungen sehr großes Interesse entgegengebracht.

Für die Kontaktbörse am Nachmittag hatten sich über 40 türkische Unternehmen in die Gesprächslisten für Firmen-Einzelgespräche eingetragen. Diese zogen sich demgemäß auch bis in den späten Nachmittag hinein. Eine kleine Gruppe der deutschen Firmenvertreter folgte am nächsten Tag noch den Botschaftsvertretern zum Besuch der Fa. HATBORU, einem der größten Spiral-Stahlrohrhersteller der Türkei.

Die Deutsch-Türkischen Wirtschaftstage in Kahramanmaras und Antakya haben insgesamt die Erwartungen der Veranstalter und Teilnehmer mehr als erfüllt. Die Regionen verfügen über ein großes Potenzial, das in den nächsten Jahren zweifelsohne, insbesondere nach einer Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien, wieder einen starken Wachstumsschub generieren wird. Investitionen in Milliardenhöhe dürfen dabei wohl erwartet werden. Die Veranstalter konnten die Teilnehmer von diesem hohen Entwicklungspotenzial voll überzeugen.

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