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Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

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Die engen deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen bilden eine tragende Säule der bilateralen Beziehungen. Sie sind geprägt von einer bereits seit dem 19. Jahrhundert existierenden Freundschaft und Tradition, die sich im Laufe der Jahre noch weiter verstärkt und intensiviert haben. Einen ganz besonderen Einfluss darauf haben nicht nur die zahlreichen Investitionen von deutschen Firmen in der Türkei sondern auch die zehntausenden von Unternehmen in Deutschland, die von Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund oder von türkischen Staatsbürgern gegründet wurden. Diese Unternehmen leisten einen großen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und schaffen hunderttausende von Arbeitsplätzen. Damit ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner der Türkei.

Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und der Türkei stieg in den letzten Jahren rasant an und erreichte im Jahr 2016 einen neuen Rekordwert von insgesamt 37,3 Mrd. EUR. Im Jahr 2017 bewegte sich der Handelsaustausch mit 36,4 Mrd. EUR konjunkturbedingt geringfügig unter dem Rekordwert des Vorjahres. Einen besonders starken Anteil an den deutschen Warenausfuhren in die Türkei haben Kraftfahrzeuge und Zuliefererteile für die Automobilindustrie, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse. Zu den deutschen Importgütern aus der Türkei gehören vor allem Textilien/Lederartikel und Kraftfahrzeuge, aber zunehmend auch Nahrungsmittel sowie Maschinen.

Mit einem Investitionsvolumen von nahezu 14,5 Mrd. USD seit 1980 ist Deutschland auch einer der größten ausländischen Investoren in der Türkei. Die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Türkei ist inzwischen auf über 7.150 gestiegen. Die Betätigungsfelder reichen von der Industrieerzeugung und dem Vertrieb sämtlicher Produkte bis zu Dienstleistungsangeboten aller Art sowie der Führung von Einzel- und Großhandelsbetrieben. Deutschland steht auch bei der Anzahl der Patentanmeldungen in der Türkei mit insgesamt 2.044 Patentanmeldungen im Jahr 2017 an erster Stelle vor den USA mit 2.029 und Japan mit 675.

Deutschland ist auch beim Fremdenverkehr einer der wichtigsten Partner der Türkei. Im Zusammenhang mit einem generellen Rückgang des Tourismusaufkommens der Türkei seit 2015 verringerte sich die Anzahl der Touristen aus Deutschland um 30% im Jahr 2016 und um weitere 8% im Jahr 2017 auf 3,6 Mio. Besucher mit einem Anteil. Dies entspricht  11,5%  des Gesamtaufkommens. Deutschland ist damit zur Zeit nach Russland mit insgesamt 4,1 Mio. Besuchern der zweitgrößte Partner beim Fremdenverkehr in die Türkei .

Seit 1985 ist die deutsche Wirtschaft in der Türkei durch ein Delegiertenbüro des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer in Istanbul, vertreten. Sie zählt mittlerweile rund 1.000 Mitglieder. Im Jahr 2004 wurde in Köln außerdem die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer gegründet. Seit 2012 hat sie ihren Hauptsitz in Berlin und ist mit einer Zweigstelle in Köln vertreten.

Zwischen Deutschland und der Türkei besteht bereits seit 1962 ein Investitionsschutzabkommen; das türkische Gesetz zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit trat im Juli 2001 in Kraft. Das bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen von 1985 wurde zum 01. Januar 2011 gekündigt und ein neues Doppelbesteuerungsabkommen am 19. September 2011 in Deutschland unterzeichnet. Es trat dann rückwirkend zum 01.01.2011 in Kraft.

Im November 2012 vereinbarten Deutschland und die Türkei die Einrichtung des „Deutsch-Türkischen Energieforums“ als Plattform für den Dialog zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft beider Länder im Energiebereich. Das erste Treffen auf Ministerebene in diesem Rahmen fand im April 2013 in Ankara statt. Daneben vereinbarten die Wirtschaftsministerien beider Länder die Gründung einer Wirtschafts- und Handelskommission, JETCO (Joint Economic and Trade Commission).

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