Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Türkei: Wirtschaft

Artikel

Wirtschaftsstruktur

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen ca. 25 % zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60 %) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch gut 20 % der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von über 6 % zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird sehr häufig Semi-Subsistenz-Landwirtschaft betrieben. Die Türkei plant, ihre Energieerzugung aus Solar- und Windkraft um 2 Gigawatt zu erhöhen und heimische Produktionsstätten auszubauen. Darüber hinaus ist die Türkei bestrebt, durch den Ausbau von Pipeline-Infrastruktur zu einer „Drehscheibe“ für Gaslieferungen zwischen Russland und Nahost sowie Kaspischem Raum und Europa zu werden. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (sog. Südostanatolien-Projekt (GAP) mit Ausbau von Staudämmen, (Wasser-)Kraftwerken, Bewässerungsanlagen, Straßen und Telekommunikationsinfrastruktur), was das bestehende West-Ost Gefälle aber bisher nur wenig verringern konnte.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Im Jahr 2018 ist die türkische Wirtschaft um 2,6 % gewachsen. Die offizielle Wachstumserwartung für das Jahr 2019 liegt bei 2,3 %. Im dritten und vierten Quartal 2018 ist die türkische Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,8% bzw. 3% geschrumpft und befindet sich damit in einer technischen Rezession. Die Türkei erzielte in den letzten zehn Jahren ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4 %, das von einem hohen Maß an Volatilität gekennzeichnet war und Schwankungen zwischen -4,7 % und +9,2 % aufwies. Angetrieben durch staatl. Stimulierungsmaßnahmen mit weitreichenden Subventionen konnte die Türkei in den Jahren 2016 und 2017 trotz teilweise verschlechterter Wirtschaftsdaten ein über den Erwartungen liegendes Wachstum i. H. v. jeweils 2,9 % und 7,4 % erzielen, das überwiegend vom Binnenkonsum generiert wurde.

Die wirtschaftliche Entwicklung und das Investitionsklima werden weiterhin erheblich durch (innen)politische Unsicherheiten belastet.

Der Tourismus-Sektor konnte im Jahr 2017 den starken Einbruch des Vorjahres teilweise wieder ausgleichen. Während sich die Anzahl der Besucher annähernd wieder auf den Stand des Vorjahres erhöhte, blieben die Tourismuseinnahmen aber weiterhin erheblich unter dem Niveau der Vorjahre. Der psositive Trend bei den Besucherzahlen setzte sich auch in 2018 fort.

Das chronische Leistungsbilanzdefizit der Türkei bleibt weiterhin ausgeprägt, sank allerdings im Jahr 2018 auf rd. 4,8 % des BIP (2017: 5,5 %). Zum Ausgleich ihrer Leistungsbilanz ist die Türkei in hohem Maße von ausländischen Kapitalzuflüssen abhängig, was ihre Volatilität gegenüber Turbulenzen auf den Finanzmärkten stärkt. Die türkische Regierung zielt daher durch eine Reihe von Maßnahmen auf eine Verringerung des hohen Leistungsbilanzdefizits ab.

Die Türkei wickelt nahezu 40 % ihres Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab. Das Handelsbilanzdefizit sank im Jahr 2018 aufgrund sinkender Energiepreise und geringer Importkosten bedingt durch zurückgehende wirtschaftliche Aktivität im Inland auf 55,02 Mrd. USD (2017: 76 Mrd. USD). Hauptursache für das Ungleichgewicht im Außenhandel bleibt weiterhin die hohe Importabhängigkeit an Energie- und Rohstoffen sowie Halbwaren für die Industrieproduktion. Dies hat zur Folge, dass Zuwächse in der Industrieproduktion automatisch weitere Anstiege bei den Einfuhren generieren.

Der Abwertungstrend der Türkischen Lira ist vorerst gestoppt. Die sich wiederholenden volatilen Ausschläge zeigen aber, wie anfällig der Kurs weiterhin auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen reagiert. Die Türkische Lira verzeichnet im März 2019 gegenüber dem Euro im Jahresvergleich einen Wertverlust von 27,5 %. Der Wertverlust der Lira schürt die Inflation, die im Oktober 2018 mit einem Wert von 25 % auf den höchsten Stand seit 2003 stieg (Februar 2019: 19,67 %) und damit erneut deutlich über dem längerfristigen Inflationsziel der Notenbank lag (5 %). Sorge bereitet ebenfalls die im internationalen Vergleich weiterhin sehr niedrige Sparquote, die 2018 bei 14 % des BIP lag, bei gleichzeitiger Überschuldung einer zunehmenden Anzahl von Privathaushalten und Unternehmen.

Hinweis: Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


Weitere Informationen

nach oben